Die Tunnelkette der neuen Schnellstraße S1-West war am 13., 14. und 15.01.2010 Schauplatz von Großübungen der zuständigen Einsatzkräfte. Freiwillige Feuerwehren, Rotes Kreuz und Autobahnpolizei beübten drei Schadenszenarien in den Tunnelbauwerken Kreuzenstein, Stetten und Tradenberg. Unter den Augen zahlreicher Übungsbeobachter, unter ihnen auch Landesfeuerwehrrat Heinrich Bauer, arbeiteten die Einsatzkräfte die Szenarien in den Tunnelröhren ab. Das Hauptaugenmerk wurde auf die interne Kommunikation (Digitalfunk), die Verbindung mit der Überwachungszentrale Eibesbrunn (ÜZ der Bonaventura GmbH) und auf die Zusammenarbeit zwischen den Portalfeuerwehren (Enzersfeld, Königsbrunn, Korneuburg und Langenzersdorf) gelegt.
Übungsszenario: Im Tunnel Tradenberg ist es, Richtungsfahrbahn Korneuburg, zu einem Verkehrsunfall zwischen drei PKW gekommen, bei dem vier Personen verletzt worden sind. Feuer bricht aus (Darstellung durch Pyrotechnik). Es kommt zu einem Rückstau (Simulation durch Privatfahrzeuge). Es gilt, den Brand zu löschen, die verletzten Personen zu betreuen und die Unfallfahrzeuge zu bergen. Ablauf: Die zuständigen Portalfeuerwehren Enzersfeld und Königsbrunn fahren mit ihren Tunneleinsatzfahrzeugen in die vom Brand betroffene Röhre ein. Als Erstmaßnahme wird der "Brand" mittels der Polylöschanlage vom Vorausfahrzeug bekämpft. Die Verletzten werden vom Feuerwehrpersonal über einen Einsatzquerschnitt in die nicht betroffene Tunnelröhre evakuiert. Sämtliche Tätigkeiten müssen unter schweren Atemschutz durchgeführt werden. In der Tunnelröhre Richtungsfahrbahn Vösendorf gehen die Rettungskräfte und die Unterstützungsfeuerwehren Korneuburg und Langenzersdorf in Bereitschaft. Diese erhalten in weiterer Folge die Anweisung, den betroffenen Abschnitt der Tunnelröhre nach weiteren Verletzten abzusuchen. Nachdem "Brand Aus" gegeben werden konnte, wird die Verkehrsfläche wieder freigemacht.
Schadstoffunfall Einsatzübung 14.01.2010 Tunnel Stetten, Richtung Vösendorf Übungsbeginn: 19:00 Uhr
Übungsszenario: Im Tunnel Stetten kommt es zu einem Unfall mit einem Kleinlastkraftwagen, dessen Ladung aus Gefahrengut besteht. (3 Fässer mit einem flüssigen Gefahrenstoff). Eine Person wird bei dem Aufprall verletzt und befindet sich im Fahrzeug. Der Gefahrenguttransport ist nicht vorschriftsmäßig gekennzeichnet. Durch die Einsatzkräfte müssen eine entsprechende Absperrung und die Menschenrettung unter besonderen Sicherheitsmaßnahmen (Chemieschutzanzüge) erfolgen.
Ablauf: Bei der Anfahrt der Feuerwehrkräfte (Alarmierung durch die BAZ Stockerau, Meldebild "S2-Autobahn-Schadstoffeinsatz") ist zunächst nur bekannt, dass eine unbekannte Flüssigkeit aus Fässern des Fahrzeuges austritt. Die Portalfeuerwehren Langenzersdorf und Korneuburg rücken in Fahrtrichtung Vösendorf (betroffene Tunnelröhre) an. Bei der Erkundung durch den Einsatzleiter der Feuerwehr Langenzersdorf wird festgestellt, dass eine Person verletzt ist und der Transport eben nicht vorschriftsmäßig gekennzeichnet ist. Als Sofortmaßnahme wird der Brandschutz aufgebaut und die verletzte Person von einem Trupp unter schwerem Atemschutz in die unbetroffene Tunnelröhre evakuiert. Durch den Einsatzleiter Messungen mit dem Gasmessgerät durchgeführt. Die Unterstützungsfeuerwehren Enzersfeld und Königsbrunn beginnen ein Mittelschaumrohr von der anderen Tunnelröhre vorzunehmen. Die Besatzung des TLFA-T Korneuburg erhält den Auftrag, sich mit Chemieschutzanzügen (Schutzstufe 2) auszurüsten, um die Bergung der lecken Fässer sicher durchführen zu können. Durch den Schaumteppich, der mittlerweile durch den Trupp der Feuerwehren Enzersfeld/Königsbrunn aufgebracht worden ist, kann nun eine Brandgefährdung ausgeschlossen werden.
Autobusunglück Einsatzübung 15.01.2010 Tunnel Kreuzenstein, Richtung Vösendorf Übungsbeginn: 17:00 Uhr
Übungsszenario: Ein Zusammenstoß zwischen einem PKW und einem Reisebus im Tunnelbereich - eine Person ist im PKW eingeklemmt. Sechs weitere Personen sind teilweise schwer verletzt worden. Ablauf: Die Freiwillige Feuerwehr der Stadt Korneuburg trifft als erste mit dem TLFA-T am Unfallort ein. Der Einsatzleiter ist mit folgendem Lagebild konfrontiert: verletzte Personen, in Panik umherirrende Kinder, Fahrzeuginsassen im Bus und eine schwer eingeklemmte Person im PKW. Als Sofortmaßnahme wird der Brandschutz aufgebaut und der hydraulische Rettungssatz zur Menschenrettung vorgenommen. Die stark deformierte Fahrertüre des PKWs muss mit dem hydraulischen Spreitzer geöffnet werden. Die im Schock umherlaufenden Businsassen werden von den Feuerwehrkräften betreut. Nun trifft auch die Feuerwehr Langenzersdorf mit dem Vorausfahrzeug ein. Sie erhält den Auftrag, die Menschenrettung der noch im Bus verbliebenen Insassen durchzuführen. Gleichzeitig sind die Unterstützungsfeuerwehren Enzersfeld & Königsbrunn, sowie die Kräfte des Roten Kreuzes im Tunnel angekommen. Die Gruppenkommandanten und der leitende Notarzt nehmen über Digitalfunk Kontakt zum Einsatzleiter "Korneuburg" auf und stimmen die Rettungsmaßnahmen ab. Die Feuerwehr Enzersfeld nimmt ein Mittelschaumrohr vor und baut somit den dreifachen Brandschutz auf. Seitens der Rettung werden die Rettungsgeräte durch einen Querschlag in die betroffene Röhre eingebracht und die Verletzten gemeinsam mit den Feuerwehrkräften zu den Rettungsfahrzeugen transportiert. Nachdem die Rettung der Verletzten abgeschlossen ist, kann mit der Bergung des Autobusses begonnen werden. Hierzu wird jeweils ein Tunnellöschfahrzeug mit Seilwinde in Stellung gebracht und so das Fahrzeug auf die Räder gestellt.
Bericht: Michael Zöger, Öffentlichkeitsarbeit Fotos: Robert Kittel & Michael Zöger