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Gesamte Stellungnahme zur Causa Fam. Keller durch den Niederösterreichischen Landesfeuerwehrverband.

 

...::: Einsatzfahrten mit Martinshorn stört Anrainer:

Serie von Anzeigen gegen die Feuerwehr :::...

Weil sich ein Ehepaar vom Martinshorn in ihrer Gesundheit gestört fühlt, müssen sich die Lenker der Feuerwehr Korneuburg seit Monaten nach Einsatzfahrten bei der Bezirkshauptmannschaft verantworten. Jedes einzelne Verfahren wurde bisher eingestellt. Dennoch: Das Ehepaar gibt nicht auf und analysiert nach wie vor jede Einsatzfahrt der FF Korneuburg. Und sind die Anrainer der Meinung, beim jeweiligen Einsatz lag nicht "Gefahr im Verzug" vor und deshalb sei bei der Ausfahrt kein Folgetonhörn nötig gewesen, wird wieder Anzeige erstattet - wegen Gesundheitsgefahr!!!

Recherchen haben ergeben, dass die zugezogenen Nachbarn seit langem einen beherzten Kampf gegen ihre Nachbarschaft führen, auch gegen private Anrainer. Der Kampf gegen die Feuerwehr landet nun im Fernsehen. Und zwar am kommenden Samstag in der Sendung "Bürgeranwalt". Nach Rücksprache mit namhaften Kommunikations- und TV-Experten wird die Feuerwehr daran nicht teilnehmen. Aus einem einfachen Grund: Weil es nicht sein kann, sich für etwas verantworten zu müssen, wofür es keinerlei Veranlassung gibt. Stattdessen haben wir der Redaktion eine ausführliche Stellungnahme übermittelt, die wir euch nicht vorenthalten wollen!

Die Kronen Zeitung hat zu dieser Thematik heute auch einen Bericht verfasst. Auch diesen dürfen wir mitliefern.

Hier unsere Stellungnahme an die Redaktion des "Bürgeranwalt":

Sehr geehrter Herr Hoppe!

Wir danken herzlich für die Einladung ins Studio, bitten aber um Verständnis, dass wir dieser nicht nachkommen werden. Gestatten Sie mir jedoch, den Vorwürfen des Anrainerehepaares in wenigen Sätzen zu begegnen.
Einleitend darf ich Sie mit den wichtigsten Eckdaten unserer Organisation vertraut machen.

Freiwillige Feuerwehren in NÖ: 1719
Einsätze jährlich: 66.000
Übungen: 70.000
Arbeitsleistung: 8 Millionen Stunden
Wert der freiwilligen Arbeitsleistung (fiktiver Stundenlohn von 20 Euro): 160 Millionen Euro
Mitglieder: 98.000
Gerettete Menschenleben/jährlich: 1500

Jetzt zum aktuellen Fall. Die Einsatzzentrale der Feuerwehr Korneuburg, angesiedelt parallel zur Bundesstraße 3, wurde 1989 eröffnet. Viele Jahre lang gestaltete sich das Zusammenleben zwischen Anrainern und Feuerwehr friktionsfrei. Erst vor wenigen Jahren wurde visavis des Feuerwehrhauses eine brachliegende Grünfläche schrittweise verbaut. Ich gehe davon aus, dass besagtes Ehepaar wusste, dass es sich gegenüber eines Feuerwehrhauses angesiedelt hat.

Wenn ja, dann kann die erhöhte Betriebsamkeit auf dem Feuerwehrgelände keine allzu große Überraschung gewesen sein. Selbstverständlich kommt es im Einsatz- oder Übungsfall zu erhöhtem Lärm, der sich auch nicht verhindern lässt. Ich denke dabei an Zu- und Abfahrten, Reinigungsarbeiten sowie die Aufrüstung der Feuerwehrfahrzeuge nach Einsätzen, etc.

Dass aber nun auch die Abgabe von Signaltönen zu Anzeigen gegen Lenker von Feuerwehrfahrzeugen führt, wollten wir vorerst gar nicht glauben. Das ist für uns eine ganz neue Art der Beschwerdequalität. Die Abgabe einzelner Signaltöne oder des Folgetonhorns liegt einzig und allein im Ermessen des Lenkers. Er ist für die Sicherheit der Mannschaft im Einsatzfahrzeug und auch für jene der anderen Verkehrsteilnehmer verantwortlich.

Ich darf Ihnen von einem Vorfall aus der Feuerwehr Klosterneuburg berichten, wo der Lenker eines Tanklöschfahrzeuges vor Gericht angeklagt wurde, weil er laut Aussage eines Pkw-Fahrers, der mit seinem VW-Golf frontal in das tonnenschwere Löschfahrzeug gekracht ist, NICHT das Folgetonhorn eingeschaltet hatte. Die Rechtfertigung des Golf-Lenkers: Er habe das Blaulicht nicht gesehen, das Folgetonhorn hätte er vermutlich gehört. Der Pkw-Lenker wurde bei dem Zusammenstoß übrigens schwerst verletzt. Der Feuerwehrmann wurde in den ersten Instanzen verurteilt, erst vom Höchstgericht freigesprochen. Deshalb, da ein Verkehrssachverständiger schlussendlich nachweisen konnte, dass der Pkw-Lenker viel zu schnell unterwegs war. So viel zur Verantwortung der Einsatzfahrer. SIE entscheiden und sonst niemand, wann das Signalhorn betätigt wird.

Es ist auch völlig unerheblich, welche Einsatzlage vorliegt. Bei jedem Alarm, der von der Notrufzentrale der Feuerwehr abgesetzt wird, muss grundsätzlich von Gefahr in Verzug ausgegangen werden. Ich könnte Ihnen viele Beispiele aufzählen, wo sich erst am Einsatzort heraus gestellt hat, dass sich der gemeldete "harmlose" Notfall als lebensbedrohliche Lage dargestellt hat. Ich selbst bin seit 41 Jahren freiwilliges Feuerwehrmitglied, war davon 13 Jahre als Kommandant tätig. Wir müssen leider immer vom worst case ausgehen. Das heißt, wir können und wollen es nicht in Kauf nehmen, durch lautlose Einsatzfahrten entweder wertvolle Zeit zu verlieren oder unaufmerksame Straßenverkehrsteilnehmer zu gefährden.

Ist es nicht ein Paradoxon, dass der Gesetzgeber zum Schutz handylesender Fußgänger bereits Verkehrsampeln andenkt, die in den Straßenboden verlegt werden sollen, die Feuerwehr aber lautlos zu Einsätzen ausrücken soll? Ich habe schon die Schlagzeilen vor Augen, sollte ein Fußgänger - Gott behüte - jemals von einem Feuerwehrfahrzeug angefahren werden. Das vielleicht noch dazu OHNE Folgetonhorn unterwegs war.

Wie wir wissen, besteht das Leben aus Kompromissen. In diesem speziellen Fall sehen wir jedoch keinen Ansatz dafür. Kein verantwortungsvoller Kommandant wird seine Einsatzfahrer anweisen, auf den Einsatz des Folgetonhorns zu verzichten - aus oben angeführten Gründen. Dies ist den engagierten Frauen und Männern der freiwilligen Feuerwehren, die Tag für Tag im Dienste der Allgemeinheit ehrenamtlich tätig sind, in keinem Fall zumutbar. Um gehört zu werden, wird es auch nicht viel nützen eine Hecke bei der Feuerwehrausfahrt zu kürzen. Die wurde übrigens gesetzt, damit besagte Familie von den Feuerwehraktivitäten optisch nicht tangiert wird.

Ich hoffe, mit diesen Auskünften ein wenig gedient zu haben. Wir freuen uns übrigens über jede helfende Hand bei der freiwilligen Feuerwehr. Besonders gefragt sind Menschen, die in unmittelbarer Nähe des Feuerwehrhauses leben. Warum? Das garantiert rasche Ausfahrtszeiten, was im Notfall von entscheidender Bedeutung sein kann.

Mit herzlichen Grüßen

Franz Resperger, ABI
Pressesprecher
NÖ Landesfeuerwehrkommando
0676/534 23 35
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Quelle: facebook.com/noe122.at