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Am 11. Oktober 2012 um 21:00 Uhr fand die jährliche Inspektionsübung im Bereich der Tunnelkette S1 statt. Sechs Feuerwehren mit rund 100 Mitgliedern nahmen daran teil. Nachstehend der detaillierte Übungsbericht:

Schadenslage

Im Tunnel Tradenberg (Richtungsfahrbahn Vösendorf) ereignet sich zwischen GQ 4 und 5 (Querschläge zwischen den Röhren) ein Auffahrunfall. Ein PKW fährt auf einen Tanklastzug auf, eine Person ist eingeklemmt und verletzt. Es kommt zu einem Schadstoffaustritt - Stoff UN 2032,  Salpetersäure, rot, rauchend. Eine weitere Person steht unter Schock und versucht Erste-Hilfe-Maßnahmen im kontaminierten Bereich zu  leisten.

Die Alarmierung der vier Portalfeuerwehren Stadt Korneuburg, Langenzersdorf, Enzersfeld und Königsbrunn erfolgt gemäß „Alarmplan S1“ durch die Bereichsalarmzentrale Stockerau. Die örtlich zuständige Feuerwehr der Stadt Korneuburg rückt mit dem Tunnellöschfahrzeug, dem Kommando-Vorausfahrzeug und einem weiteren Tanklöschfahrzeug mit insgesamt 16 Mann zum Einsatz aus.

 Ein Folgeunfall fordert die Einsatzkräfte

Beim Eintreffen bzw. bei der Anfahrt stellt Einsatzleiter HBI Martin Schuster fest, dass es im Vorportalbereich des Tunnels Tradenberg zu einem Folgeunfall gekommen war. Vor der roten Tunnelampel sind drei PKWs in einen Auffahrunfall verwickelt, wobei drei Insassen eingeklemmt und schwer verletzt sind.

Aufgrund dieser Situation splittet HBI Schuster seine Kräfte auf und lässt die gemäß Alarmplan vorgesehenen Ergänzungskräfte der Feuerwehr Spillern nachalarmieren.

Vor dem Tunnel wird die Einsatzleitung mit dem Kommando-Vorausfahrzeug „Korneuburg“ unter BM Bernhard Brunnhuber aufgebaut. Gemeinsam mit den Kräften des TLFA 2000 wird unverzüglich mit der Menschenrettung begonnen. Diese Kräfte erhalten kurz darauf Unterstützung durch die FF Spillern. Das Tunnellöschfahrzeug setzt seine Fahrt zum eigentlichen Schadensereignis fort.

 Im Tunnel bietet sich den ersteintreffenden Einsatzkräften ein Schreckensszenario: Bei der Erkundung durch HBI Schuster kann festgestellt werden, dass es sich bei dem austretenden Schadstoff um Salpetersäure handelt. Alle wichtigen dazu Daten können rasch über die Einsatzleitung/Internet-Direktverbindung zur Schadstoffdatenbank bezogen werden.

Als Sofortmaßnahme lässt HBI Schuster seine Mannschaft mit Chemikalien-Schutzanzügen Schutzstufe 2 ausrüsten und so die Menschenrettung vornehmen. Des Weiteren versorgen die Feuerwehrkräfte den in heftige Panik geratenen zweiten Unfallbeteiligten und bringen ihn zur eigenen Sicherheit vorerst in ein Feuerwehrfahrzeug. Seitens der Einsatzleitung wurde zwischenzeitlich via Direktverbindung (Digitalfunk) mit der Tunnelüberwachungszentrale die Inbetriebnahme der Lüftungsanlagen (Windrichtung/Schadstoff!) veranlasst. Für die Dauer der Menschenrettung lässt HBI Schuster ein handgeführtes C-Rohr auslegen, um die Salpetersäure-Dämpfe vom Verletzten abzuhalten.

Unterstützt werden die Korneuburger Kräfte durch die Portalfeuerwehren, wie die Feuerwehr Langenzersdorf, die einen weiteren Trupp unter Schutzstufe 2 stellt.

In der nicht betroffenen Röhre ist unterdessen das Rote Kreuz mit einem Großaufgebot in Aufstellung gegangen. Der gerettete Verletzte kann so, nach einer behelfsmäßigen Dekontamination, rasch versorgt werden. Auch hier arbeiten die Feuerwehren und das Rote Kreuz „Hand in Hand“.

Die Schadstoffgruppe geht in den Einsatz

Durch die Schadstoffgruppe 9/Feuerwehr Stockerau wird ein Deko-Platz errichtet und ein Trupp mit Schutzanzügen Schutzstufe 3/gasdicht für die weiteren Arbeiten gestellt. Ein Schaumteppich wird um den verunfallten Tanklaster herum aufgebracht, das Tunnellöschfahrzeug „Korneuburg“ schlägt die giftigen Dämpfe mittels Frontwasserwerfer nieder.

 Um 22:47 Uhr beendete die Übungsleitung die Übung. Die Schnellstraße wurde geräumt, gereinigt und wieder für den Verkehr freigegeben. Diese Arbeiten dauerten bis ca. 02:00 Uhr an.

Die Übungsbesprechung und ein kleiner Imbiss wurden im Anschluss an die Nachbereitungsarbeiten im Feuerwehrhaus der Stadt Korneuburg abgehalten.

Unter den zahlreichen Übungsbeobachtern befanden sich u.a. die Frau Bezirkshauptmann Dr. Müllner-Toifl, sowie der Korneuburger Bezirksfeuerwehrkommandant OBR Friedrich Zeitlberger und Vertreter der Abschnittsfeuerwehrkommanden.

 

Bericht & Fotos:
Michael Zöger, LM
Pressestelle Feuerwehr der Stadt Korneuburg